Wäre die Bibel biologisch korrekt verfasst worden, würde nicht der Hase, sondern der Klippschliefer als der wahre Eierbringer zu Ostern gelten. Diese interessante Wendung ist auf den Kirchenvater Augustinus zurückzuführen.
Die genauen Ursprünge des Mythos um den Osterhasen sind unklar, jedoch gibt es zahlreiche Theorien. Fest steht, dass der Hase durch den Kirchenvater Hieronymus in die Bibel und somit in den Kontext des Osterfestes gelangte. Hieronymus übersetzte die Bibel im vierten Jahrhundert aus dem Griechischen und Hebräischen ins Lateinische.
Fehlerhafte Übersetzung führt zur Verwirrung
Allerdings sind auch Kirchenväter nicht unfehlbar. In Kapitel 30 der Sprüche übersetzte Hieronymus das hebräische Wort „shapan“ (Klippschliefer) fälschlicherweise mit „lepus“ oder „lepusculus“, was Hase oder Häschen bedeutet.
Somit nahm der Hase in der Bibel den Platz ein, der eigentlich dem Klippschliefer zustand. Klippschliefer ähneln zwar in gewisser Weise pummeligen Kaninchen oder gut genährten Murmeltieren, doch biologisch gesehen gehören sie nicht zu den Nagetieren oder Hasenartigen. Vielmehr bilden sie eine eigene Familie, die überraschenderweise eng mit Elefanten und Seekühen verwandt ist.
Lebensraum und Herkunft des Klippschliefers
Diese kleinen, pelzigen Tiere sind in Afrika und Westasien verbreitet und leben vor allem in felsigen Regionen, wo sie sich in Felsspalten und Höhlen verstecken können. Der Name „Klippschliefer“ könnte sich von „Klippe“ ableiten, was so viel wie „Felsenschläfer“ bedeutet.
In modernen Bibelausgaben wurde der Hase mittlerweile durch die korrekte Bezeichnung „Klippdachs“ ersetzt. Für den Klippschliefer kam diese Umbenennung jedoch zu spät, da der Hase als „Ostereierbringer“ längst etabliert ist.
Der Einfluss des Klippschliefers auf die Namensgebung Spaniens
Die Ähnlichkeit des Klippschliefers mit Hasen und Kaninchen hat auch zur Namensgebung Spaniens beigetragen. In der Antike waren Wildkaninchen fast ausschließlich auf der iberischen Halbinsel und in Südfrankreich verbreitet.
Als die Phönizier um 1100 vor Christus nach Spanien kamen, kannten sie keine Kaninchen und hielten die dort umherhoppelnden Tiere fälschlicherweise für Klippschliefer. Aufgrund der großen Anzahl von Kaninchen gaben die Phönizier der iberischen Halbinsel den Namen „I-Shapan-im“ (Land der Schliefer), was später zum lateinischen „Hispania“ führte.
Besondere Eigenschaften des Klippschliefers
Der Klippschliefer ist das einzige Tier, das als Namensgeber für ein ganzes Land fungierte. Darüber hinaus können aus den versteinerten Exkrementen des Klippschliefers auch Parfums hergestellt werden. Diese Tiere nutzen gemeinsame Kot- und Urinplätze, die über Jahre hinweg von der gesamten Kolonie genutzt werden, sodass sich dort große Mengen an Exkrementen ansammeln.
Das steinharte „Hyraceum“ wird anschließend pulverisiert und in reinem Alkohol aufgelöst. Der Duft erinnert an eine Mischung aus Moschus, Bibergeil, Zibetöl und Tabak.
Mario Ludwig, ein bekannter Tierbuchautor in Deutschland, hat über 30 Bücher veröffentlicht und mit seinen „Unglaublichen Geschichten aus dem Tierreich“ große Erfolge in den Bestsellerlisten erzielt.
Bildquelle: Bildquelle: Gary Bendig auf Unsplash