Die Anwohner in Northern Virginia sind zunehmend besorgt über die Auswirkungen eines nahegelegenen Rechenzentrums, das seit einem Jahr in Betrieb ist. Hari Doue beschreibt den Lärm als „heulend“ und „hoch“, vergleichbar mit dem Geräusch eines Flugzeugs oder einer ständig laufenden Maschine. Diese Lärmbelästigung hat dazu geführt, dass ihre neunjährigen Zwillinge, Ethan und Lucas, kaum noch draußen spielen können und schlecht schlafen.
Wachsende Zahl von Rechenzentren
Das Rechenzentrum, das sich nur etwa 150 Meter von Doues Wohnhaus entfernt befindet, ist Teil eines größeren Trends. In den letzten Jahren sind in der Region zahlreiche Rechenzentren entstanden, die aufgrund des steigenden Bedarfs an Rechenleistung für Cloud-Dienste und Künstliche Intelligenz errichtet wurden. Die lokale Energieversorgung kann mit der Nachfrage nicht Schritt halten, weshalb die Anlage im Notbetrieb läuft und auf eigene Gasturbinen und Dieselgeneratoren zurückgreifen muss.
Proteste über Parteigrenzen hinweg
Der Widerstand gegen Rechenzentren ist nicht auf eine bestimmte politische Richtung beschränkt. Meinungsumfragen zeigen, dass auch viele Republikaner gegen den Bau dieser Anlagen in Wohngebieten sind. Bei einem landesweiten Protesttag in Frederick, Maryland, versammelten sich kürzlich etwa zwei Dutzend Menschen, um gegen die Lärmbelästigung und die Umweltbelastungen zu demonstrieren. Elyse Wilson, eine der Mitorganisatorinnen, betont, dass das Thema parteiübergreifend viele Menschen mobilisiert.
Umwelt- und Gesundheitsbedenken
Paula D’Amico Hollewa, eine weitere Protestierende, fordert, dass Rechenzentren nicht in Wohngebieten, sondern besser entlang von Autobahnen angesiedelt werden sollten. Sie sieht die Gesundheit der Anwohner gefährdet und spricht sich für ein Recht auf ein gesundes Leben aus. Auch in Kalifornien regt sich Widerstand gegen den Bau neuer Rechenzentren.
Mobilisierung durch „Humans First“
Die Organisation „Humans First“, geleitet von der Aktivistin Amy Kremer, hat zu den Protesten aufgerufen. Kremer, die eine treue Anhängerin von Donald Trump ist, möchte vor allem konservative Bürger mobilisieren. Sie äußert tiefes Misstrauen gegenüber den Tech-Unternehmen und kritisiert, dass diese keine ausreichenden Vorschriften einhalten müssen. „Für diese Unternehmen gelten keine Vorschriften. Selbst der Straßenverkauf von Hot Dogs in New York ist strenger geregelt“, sagt sie.
Politische Reaktionen auf den Widerstand
Die Proteste gegen Rechenzentren haben auch die Politik erreicht. Immer mehr Politiker erkennen die Bedenken der Bürger an, die sich über den hohen Wasser- und Stromverbrauch sowie die Luftverschmutzung beschweren. Diese Anlagen könnten zudem zu steigenden Energiepreisen für die Verbraucher führen. In den Vorwahlen haben einige Befürworter der Rechenzentren bereits ihre Position verloren.
Präsident Trumps Haltung
Präsident Trump hat sich für eine weitgehende Deregulierung der Tech-Branche ausgesprochen, um den technologischen Vorsprung der USA zu sichern. Dennoch spürt auch er, dass sich die öffentliche Meinung gegen Rechenzentren wendet. Seine Vorschläge, dass diese künftig ihre eigene Energie produzieren sollten, stoßen auf Skepsis. Hari Doue und ihre Familie erleben täglich die negativen Auswirkungen der Rechenzentren, die durch Notstromversorgung Lärm und Abgase in ihre Nachbarschaft bringen.
Quellen: tagesschau, web