10.03.2026, Polizeipräsidium Mittelfranken
BAMBERG/NÜRNBERG. (224) In enger Kooperation mit der Zentralstelle Cybercrime Bayern ist es der Nürnberger Kriminalpolizei gelungen, ein global operierendes Netzwerk aufzudecken und zwei Verdächtige festzunehmen. Die Ermittler haben die Verantwortlichen eines Unternehmens ins Visier genommen, das über Jahre hinweg die für den massenhaften Betrug notwendige Telefon- und IT-Infrastruktur bereitstellte. Ende des vergangenen Jahres wurde Anklage gegen eine der beiden Führungspersonen des IT-Unternehmens erhoben. Der Anklage zufolge soll er einen Schaden von etwa 28,6 Millionen Euro bei 235 Geschädigten verursacht haben.
Im Mittelpunkt des Ermittlungsverfahrens steht professioneller Anlagebetrug im Internet, auch bekannt als Cybertrading Fraud. Betrüger locken ihre Opfer auf speziell für diesen Betrug gestaltete Webseiten und versprechen hohe Gewinne beim Handel mit Aktien, Rohstoffen oder Kryptowährungen. Nach anfänglichen Kursgewinnen werden die „Anleger“ dazu verleitet, höhere Beträge zu investieren. Dieses Geld wird jedoch nie angelegt, sondern von den Betrügern einbehalten. Wenn die Geschädigten ihr investiertes Kapital zurückfordern, werden ihnen fadenscheinige Gründe genannt. Beispielsweise müssen angeblich noch Provisionen der Broker und Steuern auf die Gewinne beglichen werden. Die gutgläubigen Opfer zahlen auch diese Beträge, doch nach einiger Zeit bricht der Kontakt ab.
Ermittlungen und Festnahmen
Bereits in den Jahren 2019 und 2020 gelang es Ermittlern aus Oberbayern sowie der Zentralstelle Cybercrime Bayern, die Server eines betrügerischen Callcenters samt der dazugehörigen IT-Infrastruktur in der Ukraine sicherzustellen und erste Hinweise auf die Beteiligten der Betrugstaten zu sammeln. Ab März 2023 übernahm das für Wirtschaftskriminalität zuständige Kommissariat 42 des Kriminalfachdezernats 4 in Nürnberg die weiteren Ermittlungen gegen das Unternehmen, das die für die Betrugshandlungen genutzte Software, Server, Telefonanlagen und andere IT-Infrastruktur bereitstellte. Zu diesem Zweck wurde die Ermittlungskommission „Woki“ ins Leben gerufen.
Die sorgfältige Auswertung der Server bestätigte den Verdacht, dass es sich um eine Tätergruppierung handelte, die sowohl aus Israel als auch aus der Ukraine ihre IT-Infrastruktur für zahlreiche betrügerische Plattformen bereitstellte. Die für den Anlagebetrug installierte Technik wurde anderen Callcenter-Betrügern gegen Entgelt zur Verfügung gestellt, die ein weltweites Netz aus Scheinfirmen nutzten. Die Ermittlungskommission befasste sich mit mehr als 30 betrügerischen Trading-Plattformen aus über 350 Einzelverfahren, die ebenso viele Geschädigte hatten. Der bei deutschen Geschädigten angezeigte Gesamtschaden beläuft sich auf über 34 Millionen Euro. Es ist jedoch zu erwarten, dass die tatsächliche Zahl der Geschädigten sowie die Schadenssumme deutlich höher sind, da nicht alle Fälle angezeigt werden. Passauer Schleierfahnder stellen größere Menge Bargeld sicher
Internationale Fahndung und Anklage
In enger Zusammenarbeit mit der Zentralstelle Cybercrime Bayern konnten die Ermittler mehrere Tatverdächtige aus der Führungsriege identifizieren. Zwei hochrangige Drahtzieher der technischen Infrastruktur wurden aufgrund internationaler Fahndungsmaßnahmen Ende 2024 und Anfang 2025 in Zypern und Albanien festgenommen. Es handelt sich um zwei israelische Staatsangehörige im Alter von 46 und 42 Jahren. Der 46-Jährige wurde im April 2025 aus Zypern nach Deutschland ausgeliefert und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde Ende des vergangenen Jahres Anklage bei der Cyberwirtschaftskammer des Landgerichts Bamberg erhoben. Der Anklageschrift zufolge beläuft sich der ihm zuzurechnende Schaden auf rund 28,6 Millionen Euro bei 235 Geschädigten. Aus diesen Taten sollen ihm insgesamt mehr als 1,1 Millionen Euro persönlich zugeflossen sein. Gegen seinen 42-jährigen Mitbeschuldigten läuft in Albanien noch das Auslieferungsverfahren. Versuchter Telefonbetrug – Haftbefehl gegen mutmaßlichen Abholer erlassen
Die Ermittlungen gegen weitere Tatbeteiligte sind weiterhin im Gange. Aufgrund der Komplexität des Verfahrens wird erwartet, dass die Ermittlungen noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Zehn Tatverdächtige nach Bandendiebstahl festgenommen
Für Rückfragen steht Ihnen Leitender Oberstaatsanwalt Thomas Goger unter der Telefonnummer 0951/833-1451 oder über pressestelle@gensta-ba.bayern.de gerne zur Verfügung.
Erstellt durch: Kai Schmidt / bl
HZA-F: Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Hanau und des Hauptzollamtes …
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