Die ungleiche Wartezeit an öffentlichen Toiletten wirft ein ernstes Problem der Geschlechtergerechtigkeit auf. Laut einer Studie der Universität Gent in Belgien müssen Frauen im Durchschnitt sechs Minuten warten, während Männer nur elf Sekunden benötigen. Dies führt dazu, dass Frauen etwa 32,7-mal länger auf ihre Toilettenzeit warten als Männer.
Ursachen für die Diskrepanz
Diese signifikante Differenz ist nicht zufällig, sondern spiegelt eine strukturelle Ungleichheit in der Planung und Ausstattung öffentlicher Toiletten wider. Der Begriff „Potty Parity“ beschreibt diese Ungleichheit, die sich in vielen öffentlichen Einrichtungen zeigt. Oftmals gibt es für Männer insgesamt mehr Toilettenplätze, da Urinale weniger Platz benötigen als Kabinen.
Die Zahlen sprechen für sich
In Berliner Gaststätten mit einer Fläche von 150 bis 300 Quadratmetern ist beispielsweise gesetzlich festgelegt, dass es vier Damentoiletten, vier Pissoirs und zwei Herrenkabinen geben muss. Dies resultiert in einer Überzahl von zwei Toiletten für Männer.
Bedarfsgerechte Planung
Xenia Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kulturwissenschaftlichen Institut der Humboldt-Universität, betont, dass Gerechtigkeit nicht immer eine 50:50-Verteilung bedeutet. Es sollte vielmehr berücksichtigt werden, welche spezifischen Bedürfnisse die unterschiedlichen Gruppen haben und wie diesen am besten Rechnung getragen werden kann.
Frauen und ihre speziellen Bedürfnisse
Frauen benötigen im Durchschnitt mehr Zeit, um eine Toilette zu benutzen und müssen aus verschiedenen Gründen häufiger auf die Toilette gehen. Dazu gehören Faktoren wie Menstruation, Schwangerschaft sowie das Begleiten von Kindern. Zudem haben Frauen eine kleinere Blase, die etwa 500 Milliliter fasst, während Männer einen Fassungsraum von etwa 700 Millilitern haben. Die Nutzung einer Kabine dauert zudem länger als die eines Pissoirs.
Gesellschaftliche Teilhabe und Toiletteninfrastruktur
Sophie Menzel, Vorsitzende des Bündnisses Buschfunk e.V., erklärt, dass eine unzureichende Toiletteninfrastruktur auch die gesellschaftliche Teilhabe beeinflusst. „Wer wissen will, wie es um die Gleichberechtigung in einem Land oder einer Stadt steht, der muss hinter die Toilettentüren schauen“, sagt sie. Die ungleiche Toilettensituation schränkt viele Menschen in ihrer Teilhabe am öffentlichen Raum ein.
Lösungsansätze und gesetzliche Regelungen
Um die Situation zu verbessern, haben verschiedene Forschungsteams untersucht, wie viele Damentoiletten benötigt werden, um eine gerechtere Wartezeit zu erreichen. Die belgischen Forscher empfehlen ein Verhältnis von 1,63 Damentoiletten pro Männerklo. In über 20 US-Bundesstaaten, darunter New York und Missouri, sind bereits gesetzliche Regelungen in Kraft, die vorschreiben, dass es zwei Toiletten für Frauen pro einer für Männer geben muss.
Innovative Ansätze in Berlin
In Berlin gibt es Bestrebungen, die Toilettensituation zu reformieren. Ab 2027 soll ein neues Gaststättengesetz in Kraft treten, das eine Mindestanzahl von Toiletten vorschreibt. Bei einer Gastfläche von mehr als 150 bis 300 Quadratmetern müssen mindestens acht Toiletten vorhanden sein, davon mindestens vier für Frauen. Die übrigen können als Unisex-Toiletten gestaltet werden.
Pilotprojekte und neue Konzepte
Ein Pilotprojekt in Berlin testete zwischen 2023 und 2026 Unisex-Toiletten sowie getrennte Urinale in öffentlichen Parks. Die Ergebnisse waren positiv, und die Mehrheit der Befragten bewertete die neuen Toiletten als praktikabel. Dennoch haben nur wenige Bezirke die Toiletten dauerhaft übernommen.
Neues WC-Kooperationsprogramm
Ein weiteres Programm, das seit dem 1. August 2023 in Berlin läuft, ist das „WC-Kooperationsprogramm“, das die Stadt mit Restaurants und Cafés zusammenbringt. Diese Einrichtungen bieten ihre Toiletten kostenfrei und ohne Konsumzwang an und erhalten dafür eine Aufwandspauschale. Dieses Pilotprojekt soll zunächst bis Ende 2027 laufen.
Quellen: rbb24
Bildquelle: depositphotos
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.