Ein diplomatischer Konflikt zwischen Südkorea und der Ukraine ist entbrannt, nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentliche Erklärungen zu nordkoreanischen Kriegsgefangenen gemacht hat. Diese Äußerungen könnten gegen eine bestehende Geheimhaltungsvereinbarung verstoßen und haben zu einer massiven Reaktion aus Seoul geführt.
Südkorea droht mit Maßnahmen
Der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung äußerte sich auf X und erklärte, dass die Ukraine Konsequenzen für ihr Verhalten zu erwarten habe. „Das können wir nicht hinnehmen“, betonte er und wies darauf hin, dass es um das Ansehen sowohl der koreanischen Bürger als auch des Staates gehe. Lee forderte die ukrainische Regierung auf, die Existenz einer Vertraulichkeitsvereinbarung anzuerkennen und sich öffentlich zu entschuldigen.
Ursprung des Streits
Der diplomatische Eklat wurde durch Selenskyjs Rede bei der UN-Vollversammlung ausgelöst, in der er bestätigte, dass die Ukraine zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea übergeben habe. Diese Mitteilung wurde von Südkorea als Bruch einer Abmachung zur Geheimhaltung gewertet, die darauf abzielte, die Sicherheit der Soldaten und ihrer Familien zu schützen. Offizielle Vertreter der Ukraine wiesen die Existenz einer solchen Vereinbarung jedoch zurück.
„Durch diese Leugnung wurde der Präsident eines anderen Landes als Lügner dargestellt“, erklärte Lee auf X. „Während wir um eine Anerkennung der Vereinbarung und eine Entschuldigung baten, wies die ukrainische Seite auf einen möglichen militärischen Konflikt zwischen Nord- und Südkorea hin und schien förmlich einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel herbeizuführen.“
Reaktionen aus Kiew
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha versuchte am Donnerstag, die Situation zu entschärfen. Er bezeichnete die Vorfälle als diplomatisches Missverständnis und versicherte, dass die ukrainische Regierung an einer schnellen Lösung der Angelegenheit arbeite.
Hintergründe zur Geheimhaltungsvereinbarung
Laut dem südkoreanischen Parlamentarier Yoo Yeong Ha gab es keine offizielle Geheimhaltungsvereinbarung zwischen den beiden Ländern. Dennoch hätten Diplomaten beider Seiten im Rahmen ihrer Gespräche Vertraulichkeit vereinbart, was auf Wunsch der ukrainischen Seite geschehen sei. „Von Beginn der Gespräche an bat die ukrainische Seite um strikte Vertraulichkeit“, so Yoo.
Unterstützung für die Ukraine
Trotz der Spannungen hat Südkorea seit dem Beginn des russischen Übergriffs 2022 humanitäre Hilfe und finanzielle Unterstützung in Höhe von 100 Millionen Dollar zugesagt. Allerdings hat Südkorea bislang keine tödlichen Waffen geliefert und verweist auf ein bestehendes Verbot militärischer Unterstützung für Länder, die sich im Krieg befinden. Experten haben jedoch berichtet, dass Seoul Anfragen für Abwehrwaffen geprüft hat, insbesondere angesichts der Unterstützung Nordkoreas für Russland.
Nordkoreas Rolle im Konflikt
Nordkorea gilt als einer der Hauptunterstützer Russlands im aktuellen Konflikt. Berichten zufolge sollen im vergangenen Jahr mehr als 10.000 nordkoreanische Soldaten nach Russland entsandt worden sein, die in der Grenzregion Kursk eingesetzt wurden. Im April bestätigte Nordkorea erstmals den Einsatz von Soldaten in Russland, während südkoreanische Geheimdienste berichteten, dass rund 2000 von ihnen im Krieg getötet wurden.
Quellen: n-tv
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