Viele Menschen in Deutschland sehen sich durch die Pflege von Angehörigen mit erheblichen finanziellen Verlusten konfrontiert. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die im Auftrag der DAK-Gesundheit durchgeführt wurde. Demnach haben 49 Prozent der befragten Pflegepersonen angegeben, dass sie selbst oder in ihrem näheren Umfeld von Pflegearmut betroffen sind, was den Verlust des eigenen Hauses oder eines Großteils der Ersparnisse bedeutet.
Derzeit greift der Staat ein, wenn sämtliche Ersparnisse bis auf ein Schonvermögen von 10.000 Euro (bei Alleinstehenden) aufgebraucht sind. Angehörige, die unterhaltspflichtig sind, können erst dann zur Kasse gebeten werden, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen 100.000 Euro übersteigt.
Umfrageergebnisse und Reformbedarf
In der vom Institut Allensbach durchgeführten Umfrage sprachen sich zudem zwei Drittel der Befragten für eine umfassende Reform der Pflege aus, die eine verlässliche Versorgung sicherstellt. Kürzungen beim Pflegegeld wurden von den Teilnehmern klar abgelehnt.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm erklärte: „Die Umfrage zeigt, dass Pflegearmut in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Wenn jede zweite Pflegeperson bei sich oder im Umfeld durch Pflege das eigene Haus oder den Großteil der Ersparnisse verliert, dann ist das sozialer Sprengstoff.“
Storm forderte Bund und Länder auf, eine umfassende Pflegereform auf den Weg zu bringen. „Es ist von entscheidender Bedeutung, eine Lösung zur Begrenzung der explodierenden Heimkosten zu finden, damit Pflege nicht zur Armutsfalle wird“, betonte er. Zudem verschärfe der dramatische Anstieg der Ausgaben für die Hilfe zur Pflege die Finanzkrise der kommunalen Haushalte erheblich.
Erwartungen an die Reform
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat angekündigt, bis Mitte Mai einen ersten Entwurf für eine Reform der sozialen Pflegeversicherung vorzulegen. Laut der Allensbach-Erhebung rechnen die meisten Befragten mit höheren finanziellen Belastungen. 61 Prozent der Teilnehmer halten Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen für unvermeidlich.
- 50 Prozent der Bevölkerung erwarten deutlich steigende Pflegebeiträge.
- 36 Prozent rechnen mit moderat steigenden Beiträgen.
- 51 Prozent der Befragten sind bereit, höhere Beiträge zu akzeptieren, sofern der Staat die Absicherung von Pflegebedürftigkeit vollständig übernimmt.
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen die Dringlichkeit einer Reform im Pflegebereich, um die finanziellen Belastungen für Familien zu reduzieren und die soziale Sicherheit zu gewährleisten.
Quellen: n-tv