Die wirtschaftliche Perspektive Deutschlands für 2027 wird zunehmend skeptischer bewertet. Das Ifo-Institut hat seine Einschätzungen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesenkt, da die Folgen des Iran-Kriegs sich negativ auf die Konjunktur auswirken. Die Münchner Wirtschaftsforscher gaben am Donnerstag bekannt, dass das BIP lediglich um 0,8 Prozent zunehmen wird, anstatt der zuvor im März prognostizierten 1,2 Prozent. Für das laufende Jahr bleibt die Schätzung gleich und sieht ein Wachstum von 0,8 Prozent vor. Zudem wird die Inflation auf 2,9 Prozent steigen, bevor sie im nächsten Jahr leicht auf 2,7 Prozent sinkt.
Einfluss des Nahostkonflikts auf die Konjunktur
Timo Wollmershäuser, der Konjunkturchef des Ifo-Instituts, erläuterte, dass ein massiver Anstieg der Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten die wirtschaftliche Erholung dämpft. Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass die Kaufkraft der privaten Haushalte geschmälert wird und der private Konsum leidet.
„Die Wirtschaft wird vorübergehend stagnieren, jedoch nicht in eine Rezession abgleiten“, sagte Wollmershäuser.
Die Erholung, die im Winterhalbjahr begann, könnte im laufenden Frühjahrsquartal ins Stocken geraten. Es wird erwartet, dass ab dem Sommerquartal eine allmähliche Belebung einsetzt, sofern sich die Situation im Nahen Osten entspannt.
Fiskalpolitik und ihre Folgen
Der durch staatliche Maßnahmen unterstützte Investitionsschub könnte nach Einschätzungen des Ifo-Instituts die wirtschaftliche Lage stabilisieren. Die zusätzlichen Ausgaben des Staates unterstützen die Konjunktur sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr mit einem Plus von jeweils 0,5 Prozentpunkten. Gleichzeitig wird der Energiepreisschock jedoch die Konjunktur um jeweils 0,4 Punkte bremsen.
Die Finanzierung dieser expansiven Finanzpolitik wird jedoch teuer erkauft. Die Defizite des Staates könnten bis 2027 auf 4,1 Prozent und 4,9 Prozent des BIP anwachsen, was die EU-Obergrenze von drei Prozent deutlich überschreitet. Die gesamte Schuldenquote Deutschlands wird sich laut Ifo um fast fünf Prozentpunkte auf 68,1 Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen.
Kaufkraftverlust durch Energiepreise
Nach den Berechnungen des Ifo-Instituts wird Deutschland in diesem und im nächsten Jahr durch die stark gestiegenen Preise für importierte Energie voraussichtlich rund 34 Milliarden Euro an Kaufkraft einbüßen. Dies entspricht etwa 400 Euro pro Kopf in Deutschland, die zusätzlich aufgrund der höheren Energiepreise aufgebracht werden müssen.
Die Prognosen für die Konjunktur sind stark von der Entwicklung des Iran-Kriegs abhängig, was mit erheblichen Unsicherheiten einhergeht.
„Um das nachhaltige Wachstumspotenzial zu steigern, sind tiefgreifende Reformen erforderlich“, betonte Wollmershäuser.
Quellen: t-online
Bildquelle: Syced via Wikimedia Commons (CC0)